Es war ja nicht anders zu erwarten. Jürgen Klinsmann ist noch keine zehn Tage im Amt, da melden sich verkalkte Moralwächter aus der bayerischen Provinz zu Wort. Es geht, wie könnte es anders sein, um Religion. Eigentlich mehr um die falsche Religion, denn auf dem Dach des neuen, hochgelobten Trainingscenters wurden ein paar Buddha-Figuren platziert.
Grund genug für Norbert Geis, CSU-Bundestagsabgeordneter, den staatlichen Sittenwächter raushängen zu lassen. Schon 1995 fiel auf, wie weit die Profilneurose fortgeschritten war, als Geis ein Konzert von Madonnas Girlie-Tour verbieten lassen wollte. Ja, das sind die Themen von gesellschaftlicher Relevanz, die man in Bayern so schätzt. Dass da bloß niemand eine sexy Bühnenshow zu sehen bekommt. Toll, wie Geis trotzdem bei der Jugend ankommt. So ist er halt, der lockere Norbert. Der nimmt sich schon mal eine Stunde frei, um den blauen Pullover lässig um die Schulter zu schwingen, gegen seine Tochter Schach zu spielen, oder sich mit gecasteten Jugendlichen – auch mit umgehängten Pullovern ausgestattet – ablichten zu lassen. Ein alter, stockkonservativer Hansel zusammen mit jungen Männern – da geht jedem echten katholischen Würdenträger das Herz in der Hose auf. Da sind die Bindungskräfte, die man sehen, ja fühlen will. PR-Beratung, wie sie im Buche Hiob steht.
Doch zurück zu Klinsmann und den Statuen. In der Passauer Neuen Presse kritisiert Geis: „Die Installation der goldenen Figuren ist abwegig. Herr Klinsmann sollte seine religiösen Gefühle nicht seinen Spielern aufzwingen. Ich hätte Herrn Klinsmann für vernünftiger gehalten.“ Stimmt irgendwie, vernünftiger wäre es gewesen, man hätte ein großes Kruzifix aus Aztekengold vor die Tür genagelt mit der Aufschrift Kein Zutritt für ignorante Klugscheißer! Wir könnten es ja mal auf einen Vergleich ankommen lassen, wie viele Menschen vom Buddhismus gezwungen wurden, ihre Kultur aufzugeben. Auch wäre es durchaus zu empfehlen, mal genau hinzugucken, was man da anprangert. Auf diesem Bild von Fred Joch ist deutlich zu erkennen, dass Norbert Geis – neben Verstocktheit – auch an Farbenblindheit leiden muss.
Hauptsache der alte Steifnacken hat mal wieder für heiße Luft in der regionalen Presse gesorgt. Wie zeitgemäß Geis wirklich ist, lässt sich sehr gut an der kühlen Homepage ablesen, die eine seelenlose Agentur sinnbildlich erstellt haben muss. Unter dem Reiter Persönliches ist ein Bild zu sehen, die Unterschrift spricht von Geis und dem Bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Edmund Stoiber. Nachdem ich mir dann noch die Homosexuellen-Hetze in den pdf-Dateien und Kampfansagen an einwanderungswillige Ausländer in den politischen “Essays” durchgelesen habe, wäre ich nicht überrascht, wenn auch Fotos auftauchten, die Norbert Geis mit dem deutschen Reichskanzler zeigen.



















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