Dies wird kein Kommentar zur erlittenen Wahlschlappe der CSU. Nachtreten, wenn jemand am Boden liegt, das machen andere heute schon genug. Ob jetzt wirklich “Mr Zweite Chance” Horst Seehofer  kommt, wird sich wahrscheinlich sowieso erst in ein paar Tagen zeigen. Einzig vielleicht diesem verrückten Huhn Christine Haderthauer gönn ich es auch persönlich sehr. Das selbstgefällige, siegessichere Grinsen ist recht schnell aus dem Gesicht der Generalsekretärin entschwunden.

Viel mehr geht es um den anderen kranken Mann im Freistaat, den FC Bayern.

Konnte man dem schlechten Kick gegen Bukarest noch abgewinnen, auch bei nicht ansprechender Leistung drei Punkte eingefahren zu haben, war es nach dem Schlager gegen Bremen schon anders. Zuhause mit 0:5 zurückzuliegen ist hart zu verkraften, vor allem die Art und Weise, wie es dazu kam. Ein mageres 0:1 in Hannover, bei dem drei Punkte mit Sicherheit eingeplant waren, ist der bisherige Tiefpunkt.

Dennoch will ich mich zurückhalten, ersten Panikmachen und Forderungen nach Klinsis Abschied sind nichts anderes als populistische Sportjournalistenkacke Marke DSF. Nur zur Erinnerung, (G)Ottmar Hitzfeld kam zu seinem Wiedereinsteig bei Bayern in den ersten Spielen auch eine ähnliche müde Bilanz. Was daraus wurde ist hinlänglich bekannt.

Speziell im Spiel vom Samstag war mir nicht jede personelle Maßnahme klar. So viele Experimente auf einmal wäre ich nicht eingegangen. Da hat sich die sportliche Führung eventuell verzockt, 96 nicht so ernst genommen. Mit Breno und Sosa haben zwei Nachwuchskräfte 90 Minuten durchgespielt, der zuletzt schlappe Lell hingegen war wieder in der Startformation.

Das Mittelfeld bestand aus zwei defensiven 6ern, Ottl und van Bommel, ergänzt zwei offensivere Flügelspieler, Borowski links, Sosa rechts. Problematisch daran: Beide ziehen gerne in die Mitte, der junge Argentinier mit Driblings (die leider viel zu oft mit Ballverlust enden), der zweifache Torschütze gegen Bremen, um dort die Stürmer besser einsetzen zu können.Dann funktioniert dieses 4-4-2 nur nicht mehr. Es lebt vom Flügelspiel, welches aber kaum statt fand.

Da ist es denn auch kein Wunder, wenn die Stürmer in der Luft hängen. Schon so einige Male konnten dann wenigstens die Außenverteidiger, bei Bayern traditionell auch mit Luft nach vorne, in die Lücke springen. Beide waren ab der 15. Minute, in der Hannover eine recht gute Chance hatte, fast pausenlos nach hinten gebunden.

Als Resultat werden dann meist ungefährlichere, ungenaue Flanken aus dem Halbfeld in den Strafraum geschlagen, mit denen Toni und Klose nicht besonders viel anzufangen wussten. Mir fehlte bis zur Einwechslung von Ribery (und auch danach noch, der Franzose braucht noch ein paar Spiele) die Kreativität im Spiel. Kein Kroos, kein Schweinsteiger, kein Ze Roberto. Statt dessen ein immer noch eigensinniger, nicht akklimatisierter Sosa – dessen Einsatz auf absehbare Zeit hoffentlich die letzte Chance war. Alternativen sind zum Glück ja vorhanden, man braucht sie nur einzuwechseln.

Ich schlage vor. neben den beiden gezeigten Systemen, 3-5-2 und dem besprochenen 4-2-2-2 sollte auch wieder über das bewährte 4-4-2 in der Raute oder gar ein 4-5-1 nachgedacht werden. Man muss immer auch sehen, welche Spieler der Kader denn hergibt. Der FC Bayern hat in der Abwehr gute Leute, eine große Zahl an Mittelfeldspielern und nur drei Stürmer. Eine Raute mit Ribery links, Schweinsteiger rechts, van Bommel/Ze Roberto/Ottl defensiv zentral und Borowski/Kroos als 10er halte ich für besser geeignet.

Man kann dann immer noch rotieren, besonders, wenn Altintop wiederkommt und durch jeweils eine Auswechslung in alle anderen Spielsysteme überswitchen. Zum Thema Kapitän: einen Mark van Bommel lässt man nicht ständig draußen, auch wenn er gegen Bremen eines seiner schlechtesten Spiele gemacht hat.

Das Spiel gegen Lyon am Dienstag wird zeigen, welche Maßnahmen Jürgen Klinsmann unternimmt. Einzig Philipp Lahms Aussagen im Interview nach der Begegnung vom Samstag waren besorgniserregend. Auf die Frage, inwieweit er denn den Verzicht auf Lucio, Ze Roberto und auch Schweinsteiger verstünde, gab er lediglich eine medienkompatible Antwort – ansonsten nicht immer seine Art, was mich stutzig werden ließ. Es wäre seine Chance, mannschaftsintern mal auf den Tisch zu hauen.

Wie gut, dass die Bayern selbst wenigstens zum Oktoberfest gehen können. Sollte es wirklich zu personellen Konsequenzen in der Führungsriege kommen, dann bitte in der CSU, nicht aber beim FCB.


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