Wie ausgelutscht ein Showkonzept wirklich ist, zeigt sich immer am besten, wenn das ZDF auf einen Zug aufspringt. Ich erinnere nur an Gottschalks furchtbare Suche nach neuen Theaterdarstellern. Jetzt haben sie auch Jauch dazu gebracht, eine Castingsendung zu machen. Helau.
Nichts an diesem 45-minütigen Quatsch war originell. Wie schon in hundert anderen Formaten werden Kandidaten schmalzig vorgestellt und dem Zuschauer mit belanglosen Einspielern schmackhaft gemacht. Jedem wird möglichst schnell ein austauschbares wie eindimensionales Image angeheftet, mit dabei die strebsame Multi-Kulti-Streberin, der alternative Bürgerrechtler und natürlich die toughe alleinerziehene Mutter.
In 45 Sekunden – die werden vom sprechenden Graubrot Henning Scherf tatsächlich mit ner alten Analog-Stoppuhr festgehalten – müssen die Kandidaten das präsentieren, was sich in dieser Sendung Konzept nennt. Außerdem in der Jury, Anke Engelke. Nicht, dass man die Auswahl an Juroren begründen müsster, aber die Fprmulierung in diesem Fall fand ich schon unterhaltsam, Frau Engelke wäre „politisch extrem interessiert“.
Wenn man sich mal vor Augen hält, dass es bereits eine Vorauswahl gegeben hat, sind die heute vorgestellten verbliebenen Teilnehmer ein Offenbarungseid. Auch die Rollenverteilung der Jury ist schrecklich überholt. Der harte Skeptiker Jauch, die einfühlsame Frau (Engelke), der gutmütige Opa Scherf – sie alle spielen ihre Rolle eher schlecht als recht.
Die drei müssen sich doch dämlich vorkommen, wenn sie in der Bewertung mit dem Argument kommen, dass sie sich den einen oder anderden nicht als Kanzler vorstellen könnten. Es ist ja nicht so, dass hier wirklich etwas gewählt oder bestimmt würde. Es ist eine Unterhaltungsshow – oder das, was man beim ZDF darunter versteht – und eine schlechte dazu.



















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